reflections

Wenn ich es nicht besser wüsste, dann würde ich felsenfest behaupten, ich sei adoptiert. Ich meine das weder böse, noch abwertend, es ist eine reine Feststellung. In meiner Familie ist niemand auch nur annähernd so, wie ich. Nicht äußerlich und nicht innerlich und es zerreißt mir das Herz. Ich fühle mich dieser "Gemeinschaft" nicht zugehörig. Und ich will es auch garnicht, denn so möchte ich niemals werden, auch wenn ich mir gleichzeitig sehnlichst wünsche, teil einer solchen Gemeinschaft zu sein - nur nicht eben dieser. Meine Familie besteht aus meiner Mutter, die zwar generell eine harmlose Person ist, die niemandem etwas zu Leide tut, aber nicht aus wahrer Gutherzigkeit, sondern weil es so ist. Man macht es eben einfach so. Das ist ihr Totschlagargument für alles. Sie hat weder eigene Meinung, noch kulturelles Interesse, oder überhaupt nur irgendein Interesse. Sie ist lustlos an all den wundervollen Dingen, die die Welt zu bieten hat und obendrein nahezu militant, wenn es darum geht, ihr Unverständnis in meiner Gegensätzlichkeit zu ihr auszudrücken. Meine Großmutter ist ebenfalls harmlos, aber genau wie meine Mutter meinungslos und obrigkeitshörig. Sie entscheidet nie etwas selbst, sie betet. Und das ist auch schon alles, denn mehr braucht man nicht, außer beten. Los, lasst uns beten, damit die Kriege aufhören und böse Männer keine kleinen Kinder mehr schänden. Und mein Vater ist stur und wahnsinnig stolz und intolerant gegenüber anderen Menschen und Kulturen. Und traditionsbewusst ist er auch und laut und einnehmend auf eine negative Art und Weise. Und das kann ich nicht ertragen. Das schlimmste daran ist nicht, dass sie sind, wie sie sind, sondern, dass sie es nicht schaffen, eine friedliche Koexistenz zwischen ihrer und meiner Welt zuzulassen. Und das macht mich kaputt. Ich will ja über all das hinwegsehen, doch sie machen es mir unmöglich, wenn sie nicht auch über meine Persönlichkeit wenigstens hinwegsehen können. Menschen brauchen andere Menschen. Und ich brauche eine Familie. Ich verdiene eine Familie, denn eigentlich bin ich in meinem Leben immer beliebt gewesen. Ich habe Freunde, echte und gute Freunde und auch sonst komme ich immer mit allen aus. An meiner Streitsucht kann es also nicht liegen. Mich macht das traurig und ich will nicht traurig sein und schon garnicht heute, an Weihnachten. Ich will feiern, wie alle anderen, will Hausmusik machen, die ich in dieser Familie nicht machen kann, weil alle, abgesehen von mir absolut unmusikalisch sind und will einfach glücklich sein können. So, wie ich es sonst auch immer bin, wenn ich nicht bei meinen Eltern bin. Dann bin ich immer ein Sonnenschein, gut gelaunt, fröhlich und erfolgreich und es zerreißt mir das Herz, dass ich das ausgerechnet bei den Menschen, die mir doch immernoch die Welt bedeuten, nicht kann.

24.12.09 21:17

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